Tattoos in der Frühzeit
Man geht davon aus, daß die Tätowierung sich aus der Körperbemalung (Neudeutsch:
"Bodypainting") ergeben hat. Mehr oder weniger zufälligerweise sollen
sich in frühester Zeit Menschen "beschmutzt" und dann entdeckt haben,
daß das doch eigentlich gar nicht so schlecht aussieht. Zeitlich werden
diese Bemalungen mit der Felsmalerei oder sogar noch davor angesiedelt.
Die möglichen Bedeutungen dieser Zeichen waren oder sind immer noch:
- Schmuck des Körpers
- Schutz vor äußeren Einflüssen, Dämonen und Magie
- Schutz des Körpers vor Insekten medizinisch-hygienischen Zwecke
- Tarnung
- Trauer
- Kriegsbemalung
- Kennzeichnung
Hieraus haben sich die Tätowierung in den verschiedensten Formen
als auch das heutige Bodypainting oder das Brandmarken ("Branding")
entwickelt. Darüber hinaus hatte die Tätowierung manchmal auch therapeutischen
Charakter (siehe Ötzi). Als Mittel gegen Rheuma (z.B. Samoa) oder
Kopfschmerzen (Afrika) waren Tätowierungen besser als Aspirin.
Die sog. Narbentätowierung war wohl die früheste Form der Einbringung
von Farbe unter bzw. in die Haut. Wunden wurden zum Schutz vor Infektionen
oder zur Verbesserung des Heilungsprozesses mit Zusätzen ausgerieben.
Späte wurden Narben mit Ruß oder aus Pflanzensaft gewonnener Farbe ausgerieben,
so daß nach der Heilung Farbmale auf der Haut zurückblieben. Die Narbenheilung
wurde sogar zur Verstärkung des Effektes durch ständiges Aufreißen der
Narbe gestört.
Bei den Eskimos wurden und werden z.T. immer noch eingefärbte Fäden unter
die Haut eingenäht. Dies kennzeichnet die Zugehörigkeit einer Frau zu
einem Mann. Bereits 1578 traf der Arktisforscher Sir Martin Frobisher
auf eine Eskimofrau, die solche Male trug.
In Indien stellte die Tätowierung eine Form der Trauer dar. Je
tiefer die Trauer, desto größer der Faktor der Selbstverstümmelung. Mit
dem körperlichen Schmerz sollte der seelische überwunden werden. Dies
ging soweit, daß man Zähne zog, brandmarkte oder sogar amputierte.
In einigen Stämmen Afrikas versuchte man bei einer Schwangerschaft
durch Tätowierungen das Geschlecht des Kindes zu bestimmen und das noch
ungeborene Kind vor Dämonen zu schützen.
In Form der Kennzeichnung diente die Tätowierung, um die Stammes- oder
Clanzugehörigkeit zu demonstrieren. Gleiche Zeichen bedeuten gleiche Abstammung.
Auch für sog. Übergangsriten werden Tätowierungen gebraucht. So z.B. bei
dem Übergang eines Jugendlichen in das Erwachsenenalter. Nicht nur das
Zeichen an sich kennzeichnet ihn dann als Erwachsenen, sondern das Ritual
mit den damit verbundenen Schmerzen an sich macht ihn erst dazu. Solche
Riten konnten sich durch das ganze Leben eines Tattoo-Trägers ziehen,
so daß er am Ende seines Lebens seine eigene Geschichte und je nach Kulturkreis
auch die Geschichte seiner Vorfahren auf seinem Körper trug.
Die Maori z.B. haben sogar die Köpfe von Toten abgetrennt und
aufbewahrt, da sich hierauf die Geschichte von bis zu 100 Generationen
befanden (siehe "Ozeanien").
Der soziale Status, besonders als Stammesoberhaupt, Häuptling oder Krieger
konnte eindeutig und für alle erkennbar dargestellt werden. In entsprechenden
Studien konnte festgestellt werden, daß die Körperbemalung und die ihr
verwandten Techniken in sog. primitiven Gesellschaftenzentrale Bedeutung
für die soziale Organisation haben. Diese auf dem Körper getragenen individuellen
Zeichen waren nicht selten identisch mit den Symbolen auf dem Eigentum
des Trägers wie z.B. Töpfen, Waffen etc. So erhält die Tätowierung einen
doppelten Charakter: obwohl sie stammes- uns umfeldgebunden ist, ist sie
gleichzeitig doch individuell an den Träger gebunden.
Erste Belege für Tätowierungen finden sich in Afrika, Polynesien und
Asien aus der Zeit von ungefähr 500 v.Chr. Aber auch aus Kulturen wie
den Ureinwohnern Nord- und Südamerika und den Ägyptern. Bei diesen sollte
bei der Tätowierung von Verstorbenen deren Fortpflanzungsfähigkeit im
Jenseits gesichert werden. 1923 wurde in einem Grab bei Luxor die Mumie
einer tätowierten Prinzessin gefunden. Der Fund wird auf ca. 2000 v.Chr.
datiert.
Motive der Frühzeit waren i.d.R. nicht gegenständlich, sondern stellten
einfache Symbole wie Striche, Punkte oder einfache geometrische Formen
dar. Die Wahl des Motives hat sich im Laufe der Zeit mehr und mehr in
den gegenständlichen Charakter verschoben. Bestimmte Bilder für bestimmte
Anlässe oder Bedeutungen. Feuerwehrmänner tragen Wasserdrachen als Schutz
gegen Feuer und Fischer lassen sich Delphine stechen um nicht von Haien
angegriffen zu werden.
Die wohl ältesten bekanntesten Tattoos auf einem menschlichen Körper
besitzt Ötzi. Dies ist der weltbekannte Leichnam eines Steinzeitmenschen,
der 1991 in einem Gletscher in fast 3300 m Höhe nahe des Ötztales in Italien
gefunden wurde. Das Alter des Fundes wird auf ca 5300 Jahre geschätzt.
Die vereiste Mumie konnte nach dem Auftauen in dem Seziersaal der Gerichtsmedizin
in Innsbruck für die weiteren Untersuchungen gerettet werden. Die Leiche
befindet sich heute im Archäologischen Museum in Bozen.
15 blauschwarze Tätowierungs-Gruppen mit insgesamt 47 Einzel-Tätowierungen
befinden sich auf seinem Körper. Unter anderem verlaufen eine Reihe paralleler
Linien auf seiner unteren Wirbelsäule, Streifen um seinen rechten Fußknöchel
und eine Tätowierung in Form eines Kreuzes hinter seinem rechten Knie.
Anfänglich hat man gedacht, daß es sich um reine Schmucktätowierungen
handelt, die den Gletschermann als zu einem Stamm zugehörig markieren
sollte. Mittlerweile scheint jedoch klar zu sein, daß es sich wohl um
therapeutischen Charakter in Form von Akupunktur handelt. Es wurde festgestellt,
daß die Tätowierungen besonders an Rücken und Beinen an Stellen sind,
die als klassische Akupunktur-Stellen gelten.
Diese Theorie stimmt mit den radiologischen Befunden der Leiche überein,
wonach Ötzi starke Abnutzungen und Arthrose der Wirbelsäule und der Beine
sowie Kniegelenke aufweist. Dafür spricht weiterhin, daß sich die Tätowierungen
an Stellen befinden, die normalerweise nicht frei zu sehen sind und daß
es sich um einfache Linienmuster und nicht um schmückende ornamentale
Zeichen handelt.

Genau wie Ötzi wurden noch weitere Eismumien gefunden, die Tätowierungsmerkmale
aufweisen. Ein 1993 gefundener weiblicher Leichnam der um Christi Geburt
datiert, weist sogar auffällige Schmucktätowierungen auf. Die Leiche wurde
in einem hölzernen Sarg gefunden, durch die Kälte gut konserviert.
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