Tattoos in Europa
Wenn über die Geschichte der Tätowierungen in Europa geschrieben wird,
darf der Name "Kapitän Cook" (James Cook, geb. 27.10.1728 in Marton-com-Cleveland,
Yorkshire) nicht fehlen. Der Entdecker, Seefahrer und Erforscher der Inseln
im pazifischen Ozean ist der Auslöser für den überspringenden Funken der
Tätowierkunst nach Europa. Durch die Aufzeichnungen Cooks ist das Wort
"tatau" erst in den europäischen und amerikanischen Sprachschatz übernommen
worden ("Exploration travel on the brig of Her Majesty" von 1771). Die
Zeichnungen auf der Haut waren zwar schon vordem einigen Forschern bekannt,
doch erst Cook hat diese Kunst benannt und "importiert". Erst dann konnte
die schon allzu bekannte Kunst auch "besprochen" werden. Vorher wurden
lediglich phantasievolle Umschreibungen wie "punktieren", "bemalen", "einstechen"
oder ähnliches benutzt.
Weiterhin begann ungefähr hier das Zeitalter der Tätowierung als reine
Schmucktätowierung. Bis dahin galt die Tätowierung mehr als Identifikationsmerkmal.
Cook bzw. Captain Fourneaux, der Führer des zweiten Schiffes der Expedition
transportierte den "edlen Wilden" Omai auf seiner zweiten Reise (1772
- 1775) nach England, wo die Tätowierungen des tahitischen Prinzen bestaunt
und bewundert wurden. Omai wurde ein lebendes Ausstellungsobjekt auf Jahrmärkten
(s.u.) und Ähnlichem. Gleichzeitig wurde er, wie viele seiner Leidensgenossen,
ein Opfer für die Wissenschaft. Er wurde von den führenden wissenschaftlichen
Leuten auf dem Gebiet der Anthropologie untersucht. Er wurde sehr schnell
populär und allseits bekannt. Es wurden viele Abhandlungen über ihn geschrieben.
Sogar sein Lebenslauf wurde in Romanform verfasst und auch als Pantomimen-Stück
mit Erfolg aufgeführt.
Omai ist einer der wenigen Südseeinsulaner, die die Reise zurück mit
Erfolg gemacht haben. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich wieder eingelebt
und die Eigenarten der Zivilisation abgelegt.
Kontakt zu den Polynesiern bestand aber schon vor Cook und auch konnten
bereits vereinzelt Menschen aus der Südsee bestaunt werden. Die Spanier
bereisten schon 1595 den Südpazifik auf der Suche nach dem "Terra australis
incognita" dem großen Kontinent, der auf der Erde das Gleichgewicht zu
den Kontinenten im Norden herstellen sollte, damit die Erde nicht kippte.
Nachdem dieser Irrglaube aber endlich verworfen wurde, wurden diese Touren
zu Reisen mit wirtschaftlichem Aspekt. Neue Märkte und Produkte sollten
erforscht werden. Australien und Neuseeland wurden englische Kolonien;
die Franzosen besetzten die Gesellschaftsinseln mit der Hauptinsel Tahiti
und nannten diese Inselgruppe in Französisch-Polynesien um.
Bereits vor Cook und Omai waren in Europa "Wilde" zu bestaunen, die mehr
oder weniger authentischen Hautschmuck trugen. Aber da regelrecht die
Worte fehlten, um dies beschreiben zu können, wurden diese Darsteller
schnell wieder vergessen. Südseeeingeborene befanden sich genau so darunter
wie Indianer.
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