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 Tattoo-Jahrmärkte 

Tattoos und Jahrmärkte

Der Jahrmarkt und die Neugier der Menschen auf Ungewöhnliches haben einen großen Anteil an der Verbreitung der Tätowierungen geleistet. Viele Ganzkörpertätowierte waren an der Tagesordnung und ihr Name in aller Munde. Auch heute gibt es noch wenige, die 100 % tätowiert sind. Dazu zählen Enigma der Puzzlemann, Tom Leppard der Leopardenmensch oder Omi der Zebramann. Als gut und viel Tätowierter konnte man zu den Anfangszeiten der Tätowierung in Europa berühmt werden und auch nicht schlecht verdienen.

Vor Omai, der ab 1774 zur Schau gestellt wurde, wurden bereits mehrfach "Wilde" importiert um sie der Schaulust der Menschen vorzuwerfen.

Der erste nach Europa gebrachte Südseeinsulaner scheint "Prinz" Jeoly zu sein. Dieser wurde 1691 von William Dampier mit nach Europa gebracht und herumgezeigt. Selbst dem englischen Königspaar wurde er vorgestellt. Um die Sache interessanter zu machen wurde um den "Prinzen" eine Geschichte gesponnen, die von Unglück, Liebe und Trauer erzählt. Zu den absonderlichen Bemalungen kam auch noch ein menschliches Schicksal, das die Herzen der Zuschauer berührte. Diese Lügen rächten sich, indem Jeoly an den Folgen der Wasserpocken starb.

Nicht nur Männer, sondern auch Frauen machten Tätowierungen auf Jahrmärkten berühmt. 1722 bereits waren zwei indianische Frauen auch auf deutschen Jahrmärkten zu bestaunen.

1769 war Aoturu, ein tahitianischer Königssohn, von de Bougainville nach Paris gebracht worden. Dort wurde er bestaunt und beobachtet. Er wurde zum regelrechten Forschungsobjekt für die Wissenschaftler, die in ihm den "guten Wilden" sahen. Nachdem er genug begutahtet wurde, wurde er aus der Zivilisation wieder nach Hause entlassen. Nur dort kam er nie an, denn er starb auch er an einer Errungenschaft der Zivilisation: den Pocken.

Weitere Beispiele für zur Schau gestellte "Wilde" sind der 16jährige Marquesianer Timotiti (1799), der Neuseeländer Moyhanger (1896), sowie diverse namenlose Indianer, Südseeinsulaner, Eskimos, Hottentotten, Buschmänner oder ähnliches.

Einer der ersten Europäer, die sich die Sensationslust der Leute zunutze machte, war 1829 John Rutherford aus Bristol. Sein Gesicht zierte ein "moko" aus Neuseeland, auf der Brust waren Ornamente aus Tahiti und Rotuma zu sehen und die von ihm erzählter abenteuerliche Geschichte über die von den Maoris ausgeführte Zwangstätowierung traf den Nerv der Zeit und erweckte so viel Beachtung. Seine Biographie wurde sogar mehrfach aufgelegt und erschien in deutscher Übersetzung was für die damalige Zeit erstaunlich war. Das Problem war nur, daß Rutherford eine blühende Phantasie hatte. Er hatte die Tätowierungen zwar aus Neuseeland unk Tahiti, aber von Zwangstätowierung konnte keine Rede sein. Er schrieb das Buch zur reinen Unterhaltung, und natürlich um seinen Geldbeutel zu füllen.

Das Auftreten der Tätowierten fällt in den Bereich der Völkerschau, Freakshow, Zirkus, Kirmes oder Kuriositätenschau. Oft fallen sie mit der Zurschaustellung wilder und exotischer Tiere zusammen. Hierzu zählt "Hagenbecks Völkerschau" genauso wie Barnums Freakshow.

In der Regel wurden um die Menschen Geschichten gesponnen, um die Sache interessanter zu machen. Sie verliefen fast alle nach den gleichen Schemata: entweder ist der Tätowierte edler Abstammung und hat sich freiwillig aus Liebe, Schmerz oder Tradition Tätowieren lassen, oder er ist entführt worden oder gestrandet und zwangstätowiert.


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