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 Tattoo-Politik 

Tattoos und die Politik im frühen Europa

Für den plötzlichen Run auf die Tätowierkunst in Europa spielt wahrscheinlich auch der Umbruch der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse eine Rolle. Zwischen 1790 und 1870 wurde das ganze politische Gefüge in Europa u.a. durch die französische Revolution erschüttert. Im Zuge der Revolutionen waren Tätowierungen ein Ausdruck der Überzeugung. So fand man beispielsweise auf der Haut eines führenden Revolutionärs, Karl des XIV., König von Schweden und Norwegen, geboren als Jean Baptist Bernadotte in Südfrankreich, nach seinem Tod folgende Tätowierungen: eine Jakobinermütze, sein Geburtsdatum, seine Initiale, den Text "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Tod dem König" sowie einen Schädel mit gekreuzten Knochen und ein Hakenkreuz. Man kann davon ausgehen, daß er nicht der einzige Revolutionär war , der seine Überzeugung auf der Haut trug.

Auf politischem Gebiet waren nicht symbolische, dekorative Zeichen angesagt, sondern politische und religiöse Bekenntnisse. Sie dienten auch als Erkennungs- und Identifikationszeichen.

In Deutschland setzte zwischen 1870 und 1880 eine regelrechte Tätowierwut ein. Viele wissenschaftliche Abhandlungen und Aufsätze wurden in dieser Zeit verfaßt. Die Hautbilder wurden dadurch zum Allgemeinthema und verloren ihren exotischen Charakter. Tätowierungen wurden Zeichen des "Milieu´s": Kriminelle und Prostituierte trugen sie. Da konnten auch seriöse ethnologische Abhandlungen nichts an dem schlechten Ruf ändern. Vor allen Dingen England war das Zentrum der Hautstecherei. Allerdings ließen sich auch viele angesehene Personen, wie der Prinz von Wales oder der Herzog von York (beide in Japan) stechen. Die weiße Haut der Oberschicht eignete sich offenbar besonders gut für die farbigen Bilder: König Edward VII, Zar Nikolaus, der Sultan von Jahore, die dänischen Prinzen Christian und Karl, der Herzog von Sachsen-Koburg, der König Georg von England, Prinz Christian-Viktor von Dänemark, Prinzessin Chiay, der König von Griechenland, Prinzessin Waldemar von Dänemark, Prinz Heinrich von Preußen, Kronprinz Rudolph von Österreich usw. Ein passendes Urteil: "Wer sich tätowiert, ist entweder ein Verbrecher oder ein degenerierter Adeliger".

Vor allen Dingen prägten zusammenhanglose Einzelbilder die Motive, jedes einzelne für sich ein Ausdruck eines Wunsches, eines Statements, einer Erinnerung oder von Liebe und Haß.


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