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 Tattoo-Religion 

Tattoos und Religion

Besonders in der Religion galt die Tätowierung von je her als "In-Group-Erkennungszeichen" oder als "Out-Group-Stigmata". Dies ist nicht verwunderlich, da sich doch gerade in der Bibel die frühesten schriftlichen Belege für Tätowierungen finden. Diese natürlich in der Form von Verboten . "Für einen Toten dürft Ihr keine Einchnitte auf eurem Körper anbringen, und Ihr dürft euch kein Zeichen einritzen lassen" (Lev. 3. Moses 19, 28). "Die Prister sollen sich auf ihrem Kopf keine Glatze scheren, ihren Bart nicht stutzen und an ihrem Körper keine Einschnitte machen" (Lev 3. Moses 21, 5). Andererseits wird vermutet, daß Paulus tätowiert war " ...denn ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leibe" (Galater 6/17).

787 n. Chr. wurden Tätowierungen durch Papst Hadrian I. in dem Konzil von Calcuth in Northumberland als heidnische Bräuche aus dem Kulturkreis des Christentums verbannt. Es wurden alle Formen der Tätowierung als Körperschmuck ausdrücklich verboten. Solche Verbote ziehen sich durch das Christentum bis heute hin.

Bis 1996 war es sogar noch im Kanton Bern in der Schweiz offiziell verboten sich tätowieren zu lassen. Im Gesetz wurde dies als Körperverstümmelung bezeichnet.

Unzweifelhaft ist es allerdings, daß die Frühchristen tätowiert waren. Sie trugen die Initialen Christi ("X" oder "I.N."), einen Fisch, ein Kreuz oder ein Lamm auf der Stirn oder am Handgelenk. Ob es sich hierbei um Nadeltätowierungen oder eingefärbte Narben handelte ist nicht geklärt.

Dabei wird die Bedeutung dieser Zeichen nicht nur im Laufe der Zeit, sondern auch innerhalb einer Epoche verschieden gedeutet.

Es wird vermutet, daß die Tätowierungen/Brandmarkungen von der urspünglichen Bedeutung als genau solche "Brandmarkungen" zu sehen sind. Den bekennenden Christen wurde dieses Mal angebracht um sie als Ketzer oder Abtrünnige vom "rechten Glauben" zu kennzeichnen. Man versuchte somit, die Christen aus der Gesellschaft auszuschließen. Aber für eben diese Christen war dies genau umgekehrt der Fall. Eben an diesen Zeichen konnten sie ihre Gesinnung erkennen. Für sie handelte es sich nicht um ein Stigma sondern vielmehr um ein Zugehörigkeitszeichen.

In aller Öffentlichkeit konnte gezeigt werden, daß man dazu bereit war, für seinen Glauben zu leiden. Die "Idee" der Brandmarkung wurde von den Christen auf freiwilliger Basis aufgegriffen und als ständiges Erkennungssymbol gewählt. Insbesondere in den Gegenden, in denen die Christen in der Minderheit waren.

So wurden z.B. bis 1890 in Bosnien katholische Mädchen tätowiert, um einen Übertritt zum Islam zu verhindern. Armenische Christen hielten die Tradition der Pilgertätowierung noch bis zum 1. Weltkrieg bei. So lange wurde diese Form der Markung in Jerusalem angeboten. Koptische Christen in Ägypten tragen noch heute ein Kreuz an der Innenseite des rechten Handgelenkes um sich vom Islam zu distanzieren.

In Gegenden, wo Christen sich nicht mehr in der Minderheit befanden, drohte eine Vermischung der christlichen Kennzeichnung mit heidnischen Bräuchen. So kam es unter anderem zu dem o.g. Konzilsbeschluß, daß Tätowierungen als Körperschmuck untersagt wurden. Lediglich "die um des Herren Willen" erduldeten Tätowierungen waren hiervon ausgenommen.

Im Laufe der Zeit ergab es sich aber nun, daß das Christentum aus der Diaspora heraus zu einer Weltreligion wurde. In der Phase des Überganges änderte sich schnell die Bedeutung des Tattoos. Aus dem Outgroup-Zeichen wurde ein "offizielles" Ingroup-Merkmal.

Kreuzritter hatten nicht selten individuelle Tätowierungen um sich im Falle ihres Todes ein christliches Begräbnis zu sichern. Ähnliche Zwecke verfolgten Hebammen im Paris des 18. Jahrhunderts. Sie tätowierten Müttern und ihren Neugeborenen identische Zeichen um Verwechslungen zu vermeiden und bei plötzlichem Kindstod oder Aussetzung die Mutter leichter zu finden. Bauern stachen ihren Kindern Symbole ins Gesicht bevor sie sie in die Welt hinaus schickten um Geld zu verdienen. So konnten die Kinder leichter wiedererkannt werden, wenn sie nach Jahren heimkehrten.

(Das erinnert einen irgendwie an die vielen Märchen und Erzählungen, in denen Identitäten anhand verborgener und geheimer Tätowierungen festgestellt werden. Dieses Thema wurde vor allem in der Literatur Ende des 18. Jahrhunderts verwandt.)

Allerdings kam die Tätowierung in den Gegenden in Verruf, in denen die Tätowierung traditionell von den Völkern betrieben wurde, die man mehr oder weniger zwangsweise in der der Christlichen Kirche so typischen aroganten Weise missionieren wollte. Um sich von diesen "primitiven" Völkern moralisch zu unterscheiden wurden die Tätowierungen bei den eigenen Leuten nun vollständig verboten.


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