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 64er Landei vom Dorf ;-) 

Ich bin ein 64er Jahrgang und ein Landei vom Dorf. In der Schule war jemand der schon eine Jeans hatte, ein "echter" wilder Halbstarker. Wir träumten von Cowboystiefeln und waren uns sicher, Jeans, Lederjacke und/oder einen Ohrring tragen nur "echte" Rocker, die auch Leute zusammenschlagen, Frauen vergewaltigen und Omas vom Nachttopf schubsen. Von einer Tätowierung garnicht erst zu reden. Sowas haben doch nur Seeleute, Kriminelle und Asoziale.

Nach Ausbildung und Bundeswehr war der Mut dann doch so groß, das ich mich traute mir einen Ohrring stechen zu lassen. Aus Geiz lies ich den zweiten Ring mitstechen da man sowieso zwei bezahlt. Natürlich beide ins linke Ohr, da Ohrringe im rechten Ohr ein "Zeichen" für Homosexualität ist, was für ein Landei ziemlich dicht nach dem dritten Weltkrieg eingestuft wird. Jedenfalls war das damals so.

Nachdem ich dadurch für die Leute in meinem Umfeld den Status eines Aussätzigen erreichte, kamen bald danach noch weitere zwei Ohrringe, ein Nasenstecker und meine erste Tätowierung.

Sehr snobistisch (und durch Allergien bedingt) hatte ich nun vier Creolen-Ringe aus Gelb-Gold im linken Ohr, einen Stecker aus Weiß-Gold mit einem Diamanten auf Maß von einem Juwelier gefertigt im linken Nasenflügel und auf dem linken Oberarm meine erstes Tattoo. Ein Wolf der den Mond anheult.

Ein Bekannter, der Präsi von einem Motorradclub war, machte Tätowierungen damals aus Spaß und hat heute ein eigenes Studio. Nach der Absprache des Motivs wurde das Motiv erst einmal auf Papier gemalt, Seitenverkehrt auf ein anderes Papier übertragen, mein Oberarm wurde rasiert, mit Alkohol gereinigt, auf den feuchten Alkohol das Motiv aufgedrückt und nach dem abziehen des Papiers hatte ich die Umrisse auf dem Arm.

Jetzt kam der Moment, vor dem es mir grauste. Das Tätowiergerät summte und jaulte wie ein Bohrer eines Zahnarztes und der harte Griff um meinen Oberarm, zum fixieren desselben, machte die Sache nicht lustiger. Naja, aber irgendwie war es nicht schlimm, Ein jucken, ein leichtes brennen, nicht mehr oder weniger wie ein leichter Sonnenbrand. Dieses Gefühl wie ein leichter Sonnenbrand blieb dann auch bis zum vollständigen ausheilen.

Nachdem das Motiv gestochen war, kamen erst einmal die Richtlinien. Mehrmals täglich mit einem warmen (weichen) Labello einreiben, nicht die erste Zeit duschen, nicht die erste Zeit schwitzen (d.h. keine Sauna), nach Möglichkeit nicht Sonnenbaden, da es beim bräunen zu Farbverfälschungen kommen kann. Im Klartext, der Winter ist die optimale Tätowierzeit. Grind, der sich über den Tätowierten Stellen bildet, NICHT abmachen, da es sonst Narben hinterlassen kann.

Nach ca. 14 Tagen war die Sache soweit abgeheilt, das der Tätowierer noch einmal kontrollieren konnte, ob sein Werk in Ordnung ist oder nachgearbeitet werden muß. Aber der Junge war bis dahin schon so gut, das die Sache (mittlerweile schon Jahre alt) bis heute noch 1A aussieht. Kurze Zeit später kam das zweite Tattoo. Wenn man einmal eine Tätowierung hat, ist es wie Rauchen. Jeder sagt, man kann jederzeit aufhören, aber wenn es einen einmal gepackt hat ...

ACHTUNG !!! Als ich mein zweite Tattoo habe machen lassen, war gerade einer da, der aus Spaß sich ein süßes Teufelchen auf den Unterarm hat tätowieren lassen. Auf den Unterarm. Wo es jeder immer sehen kann. Was macht der, wenn sich die Mode ändert? Wenn es Ihm nicht mehr gefällt? Geht er dann nur noch mit langärmeligen Hemden aus dem Haus?

Denk daran: Das Tattoo begleitet Dich Dein Leben lang! Überlege gut, WAS du WOHIN machen lassen willst und was dein (vielleicht zukünftiger?) Chef dazu sagt oder deine (vielleicht zukünftige Ehe-) Frau dazu sagt !!

Kein Motiv wird für das Ganze Leben ausgesucht. Dein Geschmack wird sich ändern! Mit 60 wahrscheinlich nicht mehr so sehr wie mit 20. Trotzdem: Nicht nur Du veränderst Dich, sondern auch Dein Geschmack und Deine Ambitionen - unweigerlich.

Text mit freundlichen Genehmigung von
winni-the-pooh

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